Mein Weg in die Freiheit

Veröffentlicht von

Name: Cathleen
Alter: 39
Familie: Ehefrau, 4 Kinder und 3 Hunde
Interessen: Tiere, Menschen insbesondere Kinder, lesen, basteln
Merkmale: Hochsensibel, damals brave Tochter Syndrom, empathisch, freiheitsliebend

Meine Geschichte

Ich war lange Zeit ein „braves Mädchen“ bis ich es vor etwa einem Jahr endlich erkannt hatte und vor allem auch etwas dagegen getan habe.
Dabei bedeutet brav nicht automatisch lieb und nett, sondern es steckt viel mehr dahinter. Doch das soll hier nicht das Thema sein. Ich habe es nur erwähnt, damit Du meine Geschichte besser verstehst.
Falls Dich das Thema näher interessiert, kann ich Dir dieses Buch wärmstens empfehlen.

Brave Tochter Syndrom

Kurzum ich war sehr gut in der Schule, hatte gute Noten, war beliebt bei den Mitschülern und hatte auch eine (über)wohlbehütete Kindheit. Ich passte voll und ganz ins System und hinterfragte auch nichts.

Allerdings rebellierte ich mit 17 und hatte ich dann keine Lust mehr auf’s Abitur. Also beendete ich das Gymnasium bereits in der 10. Klasse, um endlich selber Geld zu verdienen. Doch hatte ich bis dato noch keinen Plan, was ich werden wollte. Also ging ich auf Nummer sicher und wählte den Weg ins Beamtentum mit einer Ausbildung zur Zöllnerin, was damals auch Sinn ergab, da wir in Grenznähe zu Polen wohnten.

Als Zollbeamtin hatte ich dann das Glück, keinen öden 08/15 Bürojob machen zu müssen. Ich war an der Grenze tätig und kontrollierte täglich Menschen oder Züge oder war in der Schiffsabfertigung. Ich kam mit vielen verschiedenen Persönlichkeiten in Kontakt. Auch der Schichtdienst und das monatliche Schieß-sowie Sporttraining taten ihr übriges, so dass ich nicht so schnell Langeweile verspürte und viel Abwechslung geboten war.

(M)ein Job für die Zukunft?

Jedoch stellte ich schon damals fest, dass ich lieber mit den Kollegen zusammen war und mit den Leuten erzählte,  als sie zu „filzen“ und abzukassieren, weil sie zuviel Zigaretten, Alkohol or what ever aus dem Ausland mitgebracht haben. Vielmehr taten sie mir oft leid. Hatten sie doch eh schon wenig Geld um in DL Zigaretten und Alkohol zu kaufen, mussten sie jetzt noch teuer dafür bezahlen.

Natürlich gab es auch bandenmäßigen Schmuggel, wo ich klar dahinter stand. Aber ich rede hier von den kleinen Leuten, die einfach süchtig waren oder es nicht besser wussten Und sind wir mal ehrlich, wer würde der Chance widerstehen nur den halben Preis zu zahlen in der Hoffnung nicht erwischt zu werden. 

Wie Du siehst, war ich schon damals keine Vorzeige Zöllnerin und erst recht keine Arschkriecherin. Daher sahen auch meine Aufstiegschancen und Beurteilungen dementsprechend aus. Ich weiß noch, was einige Kollegen für einen Aufstand gemacht haben wenn es um das Thema ging. Für sie war es wohl das Wichtigste auf der Welt. Mir ging es am Arsch vorbei. Am schlimmsten waren aber diejenigen, die nie viel machten und dennoch an eine gute Beurteilung glaubten und dann enttäuscht waren.

Das war für mich schon mit jungen Jahren total weltfremd.
Jedoch legte ich noch immer großen Wert auf die Meinung anderer und befolgte die Regeln…

Eine neue Zukunft?

So hab ich dann die ersten 2 Jahre meines Berufslebens verbracht, bis ich aus persönlichen Gründen wegziehen wollte und dann im Schwabenland am Flughafen eine neue Stelle und neue Herausforderung bekommen habe.

Gib mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich zu ändern vermag und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Friedrich Oetinger (1702-82), dt. luth. Theologe

So super die Kollegen bei meiner ersten Stelle waren, so blöd waren sie jetzt, insbesondere mein neuer Chef. Allerdings wollte ich auch nicht zurück, denn damals hat mich, wie gesagt, noch das Gerede von anderen Leuten gestört und die Blöße wollte ich mir nicht geben.

Also nicht in Problemen denken, sondern nach Lösungen suchen!

Nachdem ich dann aber die Schicht wechseln durfte, habe ich viele neue Kollegen auf meiner Wellenlänge kennengelernt und ich blieb! 
Doch auch hier merkte ich schnell Langeweile und noch mehr Mitleid mit den „kleinen Leuten“.

Was mache ich hier?

Da gab es Strafverfahren gegen Türken, weil sie Goldringe mitbrachten, die traditionsgemäß oft Geschenke waren. Oder alte Rentnerpaare wurden bereits im Ausland beim Schmuck- Teppich und/oder Lederjackenkauf übers Ohr gezogen mit überteuerten Preisen und bekamen dann hier noch ein saftiges Strafverfahren dazu. Oftmals waren es sogar noch Fälschungen. Ich fing langsam an, das System zu hinterfragen.

Was will ich wirklich im Leben?

Auch hier hielt ich es nur 3 Jahre aus und wurde schwanger. Da war dann Reiseverkehr, Schichtdienst und Waffe tabu und ich kam in die Warenabfertigung.

Anfangs dachte ich noch so ein 8-16 Uhr Job wäre jetzt endlich das Richtige, aber das war es natürlich nicht. Im Gegenteil diese ständige Kontinuität, der langweilige Papierkram und das frühe Aufgestehe aber insbesondere die komischen, stupiden, nichts hinterfragenden (Beamten)Leute machten mich fertig und ich zählte die Tage bis zum Mutterschutz.

Nun war ich 25 Jahre und erstmal zuhause und blühte ganz in meiner neuen Mutterrolle auf. Allerdings ging es uns damals finanziell nicht so gut. Das Elterngeld wurde gestrichen und ich musste zurück zur Arbeit in den Reiseverkehr, denn zur Warenabfertigung hätten mich keine 7 Pferde mehr bekommen.

Mein Kleiner war gerade 7 Monate alt.

Allerdings ging ich nur 50% arbeiten und konnte mir meinen Dienstplan selber machen und achtete auf die richtigen Kollegen. Ich hatte in der Zeit echt Spaß und freute mich an manchen Tagen richtig auf Arbeit zu gehen, insbesondere im Sommer. Denn es gab Klimaanlage, Abwechslung und auch Zeit für andere Dinge.


Ich fühlte mich wohl in meiner sicheren Scheinwelt!

So vergingen wieder 3 Jahre bis ich zum 2. Mal schwanger wurde. Diesmal hab ich mich von vornherein krank schreiben lassen, damit ich ja nicht wieder in die Warenabfertigung musste und mir ging es auch wirklich schlecht. Es wurde dann auch ein Mädchen. Bei mir stimmte wohl der Mythos 😉

Zum Glück konnte ich diesmal ein Jahr nach der Geburt zuhause bleiben und frohen Mutes begann ich dann wieder im Reiseverkehr.

Es hatte sich vieles geändert…

Aber nicht nur auf Arbeit hatte sich einiges geändert, sondern auch bei uns privat. Die Wohnung wurde langsam eng und der Wunsch nach einem Eigenheim und endlich einem eigenen Hund (den wollte ich übrigens schon seit Kindertagen) groß.

Auch hatte die Lütte wegen der trockenen Luft und Hitze Neurodermitis und dort wo wir jetzt wohnten war eine Wohnung schon eine riesen Verschuldung, geschweige denn ein Haus.

Eins war für mich immer klar: ich wollte nie nur für ein Haus arbeiten gehen.

Da uns schon immer die Ostsee gereizt hat und hier im Urlaub sofort die Haut der Kleinen besser geworden war, haben wir beschlossen nochmal umzuziehen. Meine Initiativbewerbung war schnell geschrieben und ein passendes Eigenheim gefunden. Natürlich wurde meine Bewerbung angenommen und  wir sollten im Sommer 2013 nun endlich unser neues Traumleben 800 km entfernt in Schleswig Holstein, nur 7 km von der Ostsee entfernt, beginnen.
So dachte ich jedenfalls…

Glücklicher Neuanfang?

Ich hatte nun auch keine Lust mehr auf Schichtdienst und Waffe und freute mich regelrecht auf meinen Bürojob. Allerdings musste ich wieder in Vollzeit anfangen, da es sonst mit dem Geld und der Hausfinanzierung schlecht aussah. Ich freute mich wirklich auf einen glücklichen Neuanfang, aber natürlich wurde ich schnell eines Besseren belehrt.

Als erstes hatte ich nun auf einmal anstatt 5 min Fahrtweg 45 min –  einfach wohlgemerkt. Und ich hasse Auto fahren! Hinzu kam eine stumpfsinnige Arbeit und das frühe Aufstehen!

Schnell hatte ich eine Fahrgemeinschaft, aber der fing echt zeitig an, um eben früh Feierabend zu haben. Das fand ich anfangs auch noch gut, um am Nachmittag noch was von den Kindern zu haben. Doch ich schaffte es nicht mal einen Monat. Ich war hundemüde, hatte zu nix mehr Lust und war schon abends frustriert wegen dem nächsten Tag.

Außerdem täglich 4 Uhr aufstehen und losfahren, ohne die Kinder vorher noch zu sehen, brach mir das Herz

Durch meine Gleitzeit konnte ich natürlich später anfangen. Musste jetzt aber allein fahren, kam regelmäßig in den Berufsverkehr und war erst zum Abendbrot wieder zuhause. Auch die Arbeit war zum Kotzen (ein richtiger stumpfer Beamten Bürokratiemist) und ich wurde nun körperlich und seelisch krank.

Ich erkannte mich nicht wieder!

Ich hatte meine Lebensfreude verloren und fragte mich täglich, ob es das nun gewesen sein soll für die nächsten 30 Jahre bis zur Rente? Ich hatte auch keine Alternativen. Schichtdienst und Waffe ging nicht mehr. Umzug kam nicht in Frage und ich wurde immer kranker bis ich Ende 2013 endlich Hilfe bei einer Psychiaterin gesucht habe, die mich erstmal krank schrieb.

Jetzt konnte ich zum ersten Mal aufatmen, genoss mit unserem Hund 🙂 die Natur und Ruhe, machte lange Spaziergänge und war endlich wieder glücklich. Meine Seele erholte sich und mir wurde klar, ich wollte noch ein Kind!!!!

So geschah es auch und ich war bis zur Geburt 2015 krank geschrieben und dann 1 Jahr in Elternzeit.

Finanzieller Schicksalsschlag

Ich wäre gern noch länger daheim geblieben, denn die Mutterrolle erfüllte mich total. ABER wie so oft im Leben spielte das liebe Geld wieder eine entscheidende Rolle. Noch dazu erkrankte mein Schatz an Borreliose und seine Selbstständigkeit hing am seidenen Faden.
Eine sehr schlechte Ausgangslage!!!

Allerdings bestand ich darauf nur 75% arbeiten zu gehen. Finanziell würde es zwar knapp werden, aber ich hoffte, dass ich es diesmal dann schaffen würde.

Es war ein Teufelskreis!

Nun hing es an mir das Geld nach Hause zu bringen. Ich bekam nach einem Gespräch mit dem Chef auch eine andere Abteilung, die mich mehr fordern sollte und fuhr tapfer täglich zur Arbeit. Meine einzige Hoffnung war, vielleicht irgendwann die Möglichkeit des Homeoffices zu bekommen.

Sicherlich kannst du dir denken, was passiert ist….

Richtig ich hatte nach kurzer Zeit erneut einen Zusammenbruch, diesmal sogar mit „TV-tauglichem“ Weinkrampf. Zum Glück verstand mich meine Abteilungschefin und legte mir nahe erneut zur Psychiaterin zu gehen.
Das tat ich dann auch und wurde wieder krank geschrieben.
Eins wusste ich : Da wollte ich nie wieder hin!

Irgendwann musste ich dann zum Amtsarzt und der bescheinigte mir eine vorläufige Dienstunfähigkeit. 

Als das Schreiben kam fiel mir ein schwerer Stein vom Herzen, dort erstmal nicht mehr hin zu müssen und ich erholte mich wieder.
Dank Udo’s „Ich mach mein Ding“ und der Unterstützung von meinem Schatz,  interessierten mich jetzt auch die Sprüche und Meinungen anderer nicht mehr.

Ich fühlte mich langsam befreiter! 

Aber wie sollte es jetzt finanziell weiter gehen? Wie so oft, hat auch hier das Leben geholfen und mein Schatz und ich bekamen die Möglichkeit als selbstständige Ernährungsberater bei Anifit einzusteigen (hier kannst Du Dich bewerben) und (ungeplanter) Nachwuchs kündigte sich auch an. Doch irgendetwas fehlte noch!

Trotz allem waren wir noch tief und fest im Hamsterrad gefangen.

Dem Hamsterrad entkommen und frei sein

Mittlerweile hinterfragte ich auch das System und den ganzen Mainstream. Ich entwickelte mich persönlich und mental extrem weiter und der Wunsch nach einer weiteren Veränderung in Richtung Selbstversorger wurde größer. 

Aber zunächst mussten wir aus dem Hamsterrad ausbrechen.
Also vermieteten wir unser Haus, haben unsere Finanzen in Ordnung gebracht und sind ein gutes Jahr unterwegs gewesen, um eine passende Immobilie zu finden.

Finanzielle Unabhängigkeit

Dank unserer, mittlerweile bereits hohen passiven Einnahmen bei Anifit, waren wir zum Glück nicht ortsgebunden.
Auch die Schule war kein Problem. Dazu aber mehr in einem anderen Artikel.

Auf unserer Reise haben wir aber auch festgestellt, dass ständiges Reisen nicht das Richtige für uns ist. Mit 4 Kindern und mittlerweile 3 Hunden im Schlepptau auch gar nicht so leicht realisierbar.
Wir wollten auf jeden Fall eine feste Base!

Neues Leben

Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum!

Leider oder vielleicht zum Glück sind wir in Deutschland nicht fündig geworden und dank Corona sind wir nun in Schweden und wollen unseren Traum von einem Selbstversorgerhof hier verwirklichen.

Ich habe ein sehr gutes Gefühl und es fühlt sich richtig an! 
Vi får se!

In weiteren Artikeln gehe ich auch noch konkret auf die Schulpflicht und die Kinder ein. Was würden wir anders machen? Wie ergeht es uns im Ausland?
Sei gespannt und stell uns auch gern Deine persönlichen Fragen, die Ivo oder ich dann gesammelt in einem extra Blogbeitrag beantworten werden.

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